Evangelische Kirche St. Michael

Die kuriose Simultankirche der Altstadt
Die evangelische Stadtpfarrkirche St. Michael in der Altstadt von Weiden in der Oberpfalz ist nicht nur ein beeindruckender Barockbau, sondern auch eine echte Besonderheit: Über lange Zeit wurde sie als Simultankirche von Katholiken und Protestanten gemeinsam im 14-tägigen Wechsel genutzt.
Diese Regelung entstand aber weniger aus ökumenischen Gründen sondern vielmehr aus praktischen Gründen. Noch heute sind Spuren dieser besonderen und ungewöhnlichen Nutzung am Altar sichtbar. Nutzten ihn die Katholiken, so konnten mittels Drehmechanismus Nischen geöffnet werden, um die Heiligenfiguren sichtbar zu machen.
Eine bewegte Geschichte über Jahrzehnte

St. Michael ist die älteste Kirche Weidens. Ursprünglich vermutlich als romanische Saalkirche erbaut, wurde sie bis 1448 zu einer gotischen Kirche ausgebaut. Die beiden großen Stadtbrände von 1536 und 1540 beschädigten das Gebäude schwer, sodass es 1561 neu eingewölbt werden musste.
Ein weiteres einschneidendes Ereignis war der Einsturz des Turms im Jahr 1759, bei dem auch der Türmer Peuerl und seine Gehilfen ums Leben kamen. Beim anschließenden Wiederaufbau erhielt die Kirche ihr heutiges barockes Erscheinungsbild, während aber auch Teile der Gotik bis heute zu erkennen sind.
Kunstvolle Ausstattung im Inneren
Lohnenswert ist auch ein Blick in die Kirche: Dei prächtige Kanzel aus dem 18. Jahrhundert wird von einem kunstvollen Schalldeckel gekrönt, der den Erzengel Michael zeigt. Von hoher Handwerkskunst zeugen auch die Kirchenstühle mit Rokokoschnitzereien sowie das eindrucksvolle Altarbild der Geburt Christi.
Spannende Geschichten rund um Kirche und Stadtleben

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Simultaneum eingeführt, welches eigentlich für Frieden sorgen sollte. In der Realität kam es allerdings immer wieder zu Spannungen beider Konfessionen. So berichten Überlieferungen, dass Katholiken zu Fronleichnam ihre Blumenteppiche legten und die Protestanten Mist und Jauche entlang der Prozessionsstrecke verteilten.
Spuren der Vergangenheit entdecken
Rund um die Kirche befand sich früher der städtische Friedhof mit einem sogenannten Karner (Beinhaus). Heute erinnert nur noch wenig daran - doch genau diese versteckten Geschichten machen diese Kirche zu einer spannenden Sehenswürdigkeit in der Altstadt.